Wohin führt die Digitalisierung den CIO?

Der Hype der letzten Monate rund um das Thema digitale Transformation scheint nach wie vor ungebrochen, obwohl das Thema – im Sinne des Einsatzes von neuen Technologien – nicht wirklich neu ist. Was sich jedoch dramatisch verändert, sind die vielfältigen Möglichkeiten und die erhöhte Clockspeed der Umsetzung, die sich aus der Nutzung digitaler Technologien ergeben.

Im Rahmen der CIONET-Mitgliederumfrage zur deutschen CIONET „Agenda 2017“ Jahres haben wir unsere Mitglieder auch um Input für einen high-level Digital Maturity Check gebeten. Die Frage „meine Rolle als CIO hat sich dadurch verändert und ist wichtiger geworden“ haben 72% der befragten CIOs positiv beantwortet.

Grund genug, um drei unserer deutschen CIONET Advisory Board Mitglieder zu fragen, wohin die Digitalisierung den CIO führen wird:

michael kollig kleinDr. Michael Kollig, Group CIO Unternehmensgruppe Theo Müller

 Auch wenn es vielfach so dargestellt wird, ist das Thema Digitalisierung nicht prinzipiell neu. Der Business-orientierte CIO hat schon immer als seine/ihre Kernaufgabe, Geschäftsprozesse durch Digitalisierung zu automatisieren, zu beschleunigen und teilweise auch komplett neu zu gestalten. Was sich sicher gewandelt hat sind die Möglichkeiten zur Digitalisierung, hier haben Cloud, Analytics und Mobility das Thema auf ein neues Niveau gehoben.

Für den CIO heißt das den Fokus auf die Geschäftsprozess-Kernaufgabe aufrecht zu erhalten und dabei nicht zu vergessen, dass erfolgreiche Digitalisierung nur auf einer soliden Basis aus Datenmanagement und Architektur gelingen kann.

renferJürgen Renfer, CIO der Kommunalen Unfallversicherung Bayern

Es ist Aufgabe des CIO, sein Unternehmen als Lotse durch die Digitalisierung zu führen. Dabei gilt es ganz besonders, Augenmaß zu halten.

Digitalisierung wird vielfach als rasend schnell, disruptiv und schwer beherrschbar wahrgenommen. Tatsächlich zeichnet sich jedoch ab, dass dies viel eher für vergleichsweise kurzfristige Hypes gilt. Entscheidend ist aber viel mehr, was am langen Ende bestehen bleibt, Heißt: was Unternehmen und Menschen auf Dauer von digitalen Entwicklungen in das Alltagsleben übernehmen. Diese Trends gilt es zu identifizieren. Der Rest wird schnell vergessen sein. Insoweit unterscheidet sich Digitalisierung nicht Wesentlich von vorausgehenden technologischen Entwicklungen.

Unternehmen und Menschen halten keine andauernden Hochgeschwindigkeits-transformationen aus. Sie wollen daher keine Innovationszyklen im Quartalsrhythmus. Und sie können das auch nicht. Wer zweifelt, möge sich die jüngsten Flops der High-Tech Industrie betrachten: Smartphones explodieren, Autos stinken und Banken buchen falsch. Das sind keine Zufälle, sondern Folgen unbeherrschbarer Geschwindigkeiten: „rat racing effects“.

Menschen und Unternehmen haben vielmehr Interesse an Verlässlichkeit und Sicherheit, was wiederum Ordnung voraussetzt. Deshalb ist in Zeiten schnellen Wandels Orientierung sehr gefragt. Mit Vollgas ins Nirgendwo ist keine vernünftige Option. Deshalb ist der CIO gefordert und aufgrund seiner Fachkunde auch geeignet, einerseits für Digitalkompetenz und andererseits für die digitalen Zielbildungen im Unternehmen zu sorgen: wohin wollen wir, wie geht das, welche digitalen Werkzeuge sind dafür geeignet, welche nicht?

Dafür können sich Analogien zur analogen Welt eignen, weil sie Bekanntes auf Digitales projizieren, das seinen ersten Reiz aus dem Neuen und Unbekannten zieht. Digitales wird von vielen Menschen häufig abstrakt wahrgenommen. Sobald die Abstraktion durchdrungen ist, weicht der erste Zauber nüchterner Abwägung: was bringt mir das? CIOs können diesen Prozess begleiten und Unternehmen wie Menschen vor allzu schmerzhaften digitalen Irrungen bewahren, in dem das Nützliche frühzeitig und zielsicher vom Digitalhype separiert wird.

Schaffen es CIOs dabei, die Balance zwischen Lotse und Bedenkenträger zu halten, haben sie gute Chancen, ihre zentrale Rolle im Unternehmen als Vertrauens-Instanz endgültig zu zementieren. Gutes Handwerk aus innovativer Planung, digitaler Entwicklung und effizienter Betriebsführung sind dafür selbstverständliche Voraussetzungen.

Thomas Siekmann kleinThomas Siekmann, CDO, Müller – die Lila Logistik AG

Digitalisierung war DAS Schlagwort des vergangenen Jahres. Sicher zu recht, denn es steht außer Frage, dass sich unsere Welt durch das Aufeinandertreffen verschiedener Technologien stark und schnell verändern wird. Sicher sind wir uns auch bewusstgeworden, wie stark sich unsere Welt – auch die betriebliche – schon verändert haben. Längst sind wir in stark vernetzten, mobilen Prozessen. Längst sind wir in Supply-Chains unternehmensübergreifend digital verbunden. In unserer Branche sieht man das den Just-in-Sequenz-Ketten deutlich und klar.

Was heißt das also nun für den CIO?

Zum einen: Einen realistischen Weg finden, sich zwischen Hype und Negation, zwischen Über- und Unterbewertung zu orientieren. Nichts kommt so schnell, wie erhofft, vieles ist viel schneller da als befürchtet. Dafür gibt es kein Rezept, kein Berater wird uns die tägliche Triage abnehmen, sich auf die richtigen Dinge zu fokussieren und sich dabei täglich neu zu eichen. Es bleibt schwierig.

Zum anderen: Nutzen wir die Aufmerksamkeit der Unternehmen! Auch wenn die Digitalisierung nicht einfach das Fortschreiten der “alten” IT ist und viele krasse Veränderungen von Geschäftsmodellen vor der Tür stehen, so ist doch auch wieder ein grundsätzliches Verständnis für die Potentiale der IT in den Köpfen vieler Menschen entstanden. Raus aus der Nerd-Ecke, raus aus dem Kostentreiber-Image, mitten ins Unternehmensleben. Die Chance ist besser denn je!

Und dann: Es wird immer die Brot-und-Butter-IT geben. Weiter gilt: Wer nicht liefert, verliert! In Zeiten neuer digitaler Geschäfte ist das reibungslose Funktionieren von E-Mail, ERP, Supply-Chain fundamental. Unser Basisgeschäft muss konzentriert und gründlich gesteuert werden. Wer jetzt nicht die Chance nutzt, radikal in der IT selbst zu optimieren, zu automatisieren, in die Cloud zu verlagern, dem fehlt die Zeit, den neuen Herausforderungen mit Aufmerksamkeit zu begegnen.

Und zu Letzt: Wir haben wieder die Chance, über Innovation zu sprechen und dabei zum Übersetzer zu werden. Was kann Technologie – auch wenn es sich gar nicht um klassische EDV handelt? Wo nutzt sie uns im Unternehmen direkt? Wer sonst könnte uns damit angreifen, der früher keine Chance dazu hatte? Viele Vorstände wünschten sich diesen Support inständig – nehmen wir diese Aufgabe an, seinen wir verständlich, sonst kommt jemand anders.

Alles in allem: Viele Chancen, aber für den CIO ist die Digitalisierung weder ein Selbstläufer noch ein einfaches Unterfangen. Wer sich schon früher als Übersetzer verstanden hat, wer auch heute schon Anerkennung im Business hat – der wird den richtigen Weg sicher finden!

Soweit unsere drei Advisory Board Mitglieder zu diesem spannenden Thema. Was ist ihre Meinung hierzu? Welchen Einfluss hat die digitale Transformation auf die Rolle des CIOs und welche Möglichkeiten und Chancen ergeben sich daraus?

Diskutieren Sie mit uns auf der CIONET-Plattform, in unserer WhatsApp Gruppe (Zugang auf Anfrage nur für CIOs/CIONET Mitglieder) oder bei unserer anstehenden CIONET Community-Veranstaltung „vom CIO zum Digital Leader“ am 23. Februar 2017 in Mannheim.

Connect_cionet

 

Sind Sie als CIO in Deutschland tätig, aber noch kein CIONET Mitglied?

Dann lassen Sie sich von uns einladen oder nutzen Sie diesen Link http://cionet.info/joinDE und fragen Sie Ihre kostenfreie Mitgliedschaft online bei CIONET an – wir freuen uns auf Sie!

Sollten Ihre Compliance-Regeln keine kostenfreie Mitgliedschaft zulassen, oder wenn Sie Amtsträger nach § 333 StGB sind, bieten wir Ihnen auch die bezahlte Mitgliedschaft bei CIONET. Sprechen Sie uns gerne an, auch wenn Sie inhaltliche Fragen zu CIONET haben.

Ihr Kontakt:

Tobias Frydman

Gründer & Geschäftsführer T +49 (0)173 849 5472

tobias.frydman@cionet.com

www.cionet.com

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *